Überblick


zu S. 12, "Der eigene Wille ist eins geworden mit dem Willen Gottes."

( Wer ist an der Tür – Rumi)

( Löwe, Wolf und Fuchs - Rumi)

Himmel und Hölle.

(Der große Schwamm Gottes - Nikos Kazantzakis

(Drei Richter - Nikos Kazantzakis)

(Ein bekanntes Gleichnis mit unbekanntem Ende - Nikos Kazantzakis)

(Schöne Grüße aus der Hölle - Udo Jürgens)

(Fackel und Eimer)


zu „Denken, um zu denken“, S. 14

(Umgang mit automatischen Gedanken)


zu "ich will sehen", S. 18


zu „Aufhören, zu warten“, S. 20

(Text von Andrew Cohen)

(Die Blätter des Ahornbaums)

(Wenn ich aufhöre, ist etwas fertig – Ajahn Brahm)

(Beppo, der Straßenkehrer – Michael Ende)

(Jede Zeit ist meine Zeit – Thich Nhat Hanh)

zu „Ich atme, das ist genug“, S. 23

(Bewusstes Atmen)

zu „Ich bin, was jetzt geschieht“, S. 29

zu „Finden, verlieren, loslassen“, S. 44

zu „Lieben, was ist“, S. 58

( Was zwingt mich denn, was hindert mich )

( aus „Himmel und Erde umarmen“ – Andrew Cohen)

(Liebe ist – Nena)

(Liebe immer! Liebe alles!)

zu „Als und jetzt“, S. 69

(aus „Ein Kurs in Wundern)

(Verlieren, finden, sein)


zu "Nicht viel Zeit", S. 74

(Ein Experiment mit der Zeit)

zu „Jetzt: Volles Leben, volles Sterben“, S. 76

(aus „Das Spektrum des Bewusstseins“ – Ken Wilber)

(aus „Der Pilger Kamanita“ – Karl Gjellerup)

(Blätterfall – Christian Morgenstern)

(aus „Die letzte Versuchung…“ – Nikos Kazantzakis)

(aus „Faust I“ – Johann Wolfgang von Goethe)

zu „Sicher ruh ’n in Wirklichkeit“, S. 84

(Drei wunderbare Antworten – Leo Tolstoj)

(Antworten auf den Ruf der Gegenwart – Lk10, 25-37)

zu „Bedeutungsfrei“, S. 91

(Zitat aus dem Film „Matrix“)

(Ein Brunnen ohne Wasser - Ikkyú)


zu "Zeichen-los", S. 97


zu "Stehen und Gehen", S. 100
(Führen und Folgen)

(Richtig stellen, richtig stehen)



zu „Gehen, ohne zu gehen“, S. 107

(Wellenwasser)

(Führe das, was jetzt ist, weiter)

(Salami schneiden)

(Abwaschen, um abzuwaschen u. A – Thich Nhat Hanh)

(Der Kern der Übung – Thich Nhat Hanh)


zu "Einfach so", S. 113

(Kreislauf des Wassers)


zu „Schon auf dem Weg am Ziel sein“, S. 109

(Graphik)

(Reisen statt Geometrie – Eric-Emmanuel Schmitt)

(Motorradfahren auf Nebenstraßen – Robert M. Pirsig)

(Das Exerzitium der Langsamkeit – Paulo Coelho)



zu „Halten und lassen“, S. 128

(Lass alles Kommen)

(Lass es sich weiten zum Unendlich-Sein:

Suche im Gefundenen)

(Lass alles wieder geh‘ n)



zum Rosenfenster der Kathedrale von Guadalupe, S. 135


zu „Shankara auf der Palme“, S. 140

(Die Geschichte vom Marquis de Lantenac – Umberto Eco)

zu „Drei-Schritt des Urteilens“, S. 144

zu „Antwort ohne Frage“, S. 157

(Einfach)

zu S. 168: Neufassung von „Suche, will und frage“

zu „Kein Grund“, S. 209

zu „Wenn ich mir etwas vorstelle“, S. 222

(Möglichkeit ist Wirklichkeit)

(Die wahren Abenteuer sind im Kopf – André Heller)

zu „Was ist, was war, was sein wird“, S. 224

(Heute)

zu S. 229, Zeile „sei dankbar und neugierig“

(Übung: Neugier und Dankbarkeit)

zu „Ankommen – immer und nie“, S. 235

(Komm an)

(Link zu „Suche, will und frage)

(Halte nichts an)

zu „Alles Mögliche, wirklich geschrieben“, S. 238


zu "Einladung, noch mal zu lesen", S. 258















zu S. 12, "Der eigene Wille ist eins geworden mit dem Willen Gottes.":


Rumi erzählt im Matnawi folgende Geschichte:


Wer ist an der Tür?


Ein Mann geht zum Haus seines Freundes und klopft an die Tür.

Der Freund fragt von innen: "Wer bist du?"

Der Mann antwortet: "Ich bin es."

Daraufhin sagt der Freund: "Geh' weg! Da du du bist, werde ich die Tür nicht öffnen.

Ich kenne keinen Freund, der "Ich" heißt.





Der Abgewiesene verbrachte ein ganzes Jahr auf Reisen.

An der Trennung leidend, wurde seine harte, rohe Seele weich und gar gekocht.





Schließlich klopft er wieder an der Tür des Freundes.

Der Freund ruft: "Wer ist an der Tür?"

Er antwortet: "Du bist an der Tür."

"Jetzt", sagt der Freund, "wo du ich bist, komm herein!

In diesem Haus ist nicht genug Platz für zwei Ich, nur für eins."



( frei nach dem Matnawi, Buch I, 3055-3063)





Diese Zeilen sind im Matnawi eingebettet in folgende Geschichte vom Löwen, Wolf und Fuchs:



Ein Löwe, ein Wolf und ein Fuchs gingen einmal gemeinsam zur Jagt. Nachdem sie einen Ochsen, eine Ziege und einen Hasen erlegt hatten, schleppten sie die Beute auf eine Waldlichtung, und der Löwe forderte den Wolf auf, sie gerecht aufzuteilen.

"Der große, starke Ochse", sagte daraufhin der Wolf, "gebührt natürlich dir. Denn auch du bist groß und stark.

Die Ziege passt zu mir und gehört deshalb mir. Denn sie ist Mittelmaß.

Nimm du, Fuchs, den Hasen!"

Als der Löwe das hörte, wurde er zornig und sprach zum Wolf:

"Was bist du doch für ein erbärmlicher Hund, dass du noch "ich" und "du" unterscheidest, wenn ich da bin, in meiner erhabenen Gegenwart noch dich selbst wichtig nimmst. Komm her zu mir!"

Und als der Wolf sich näherte, packte er ihn mit den Pranken und tötete ihn.

Danach wandte er sich an den Fuchs und forderte ihn auf, die Beute aufzuteilen.

Der Fuchs sagte: "Dieser fette Ochse ist selbstverständlich dein wohlverdientes Frühstück, du unvergleichlicher König.

Diese Ziege ist das, was dir allein als Mittagessen zusteht.

und der Hase ist natürlich dein Abendessen, du machtvoller Gebieter."

Über diese Worte erfreut, sprach der Löwe: "Fuchs, du hast gerecht geurteilt. wo hast du das gelernt?"

Der Fuchs erwiderte: "Erhabener Herrscher, das habe ich vom Schicksal des Wolfs gelernt."

Da sprach der Löwe, zu großzügiger Gnade gerührt:

"Da du dich allein der Liebe zu mir verpflichtet hast, dich selbst dabei ganz vergessen hast, nimm die ganze Beute und geh!

Wie könnte ich dich verletzen, wo du ganz ich geworden bist.

Ich bin dein, und alle meine Beute ist dein."



(frei nach dem Matnawi, Buch I, 3013ff)




Ich habe diese Geschichte nur mit einigen Bedenken übernommen, weil darin ein Gottesbild mitschwingt - von Rumi sicher nicht beabsichtigt, aber in Kauf genommen - , was ich nicht teile. Für mich gibt es keinen richtenden und strafenden Gott, sondern nur einen alles liebenden. Gottes Gerechtigkeit ist Barmherzigkeit - für alles und jeden. Er lässt seine Sonne scheinen über Gerechte und Ungerechte. Wenn schon menschliches Bewusstsein in tiefer Meditation zu der Erkenntnis kommen kann, dass nichts jemals geschehen ist (du erinnerst dich vielleicht, lieber Leser, an den Kommentar von Andrew Cohen zum Gedicht "Als und jetzt"), dann sollte man doch erwarten, dass Gott, die höchste Form personhaften Bewusstseins, auch über diese Erkenntnis verfügt. Und wenn nichts jemals geschehen ist, dann gibt es auch nichts, worüber man richten und was man bestrafen könnte.


Es gibt natürlich die Sünde als Zustand der Trennung, der "Ab-Sonderung" von Gott, als Unwissenheit, doch es gibt keine Strafe dafür. Die Hölle besteht einfach darin, in diesem Zustand zu sein, die Strafe gibt man sich selber dadurch, dass man länger als nötig in diesem Zustand bleibt, indem man sich weigert, der immer gegebenen Einladung Gottes zu folgen, Getrenntheit und Unwissenheit aufzugeben und loszulassen, die Hölle zu verlassen und zu ihm in die Einheit des Himmels zu kommen.




Im Folgenden habe ich ein paar Geschichten zu Himmel und Hölle zusammengestellt.









zu "Denken, um zu denken", S.14

Im folgenden werden wir uns mit den Gedanken, die sich selbst in mir denken, befassen, nicht mit dem Denken. Die meisten Menschen leiden nicht an ihrem Denken. Sie leiden nicht dadurch, dass sie Zahlen addieren. Rechnen ist vielleicht anstrengend, aber nicht schädlich. Sie leiden vielleicht durch die Absicht, mit der sie rechnen, durch den Zweck, für den sie rechnen. Ich kann meine Geldeinlagen bei verschiedenen Banken zusammenrechnen, weil sich in mir die Sorge denkt, sie könnten vielleicht als Altersvorsorge nicht ausreichen, oder weil ich eventuell noch mehr Geld brauche, weil ich unbedingt eine Weltreise machen will. Wünsche, Ängste und Sorgen denke ich meistens nicht. Sie denken sich selbst in mir, denken sich in sich selbst. Die Absicht, mit der ich rechne, die eben kein Denken ist, sondern Gedanken-Haben, kann schädlich sein, das Rechnen selber nicht. Daher ist es nicht notwendig, eine richtige Haltung zum Denken zu finden. Die haben wir einfach dadurch, dass wir das Denken sind. Not-wendig ist, eine günstige Haltung zum Gedanken-Haben zu finden, denn das wendet Not, befreit von Leiden.



Auch "wenn ich mir etwas vorstelle", stellt sich meistens etwas mir, in mir sich selber vor.


Und von den Gedanken, die sich in mir selber denken, spricht ja auch der letzte Abschnitt des Kommentars zu "Wenn du mir etwas sagst" (S.68)






zu "Ich will sehen", S. 18

Leb' ohne Ab-sicht, An-Sicht, Auf-Sicht!

Lebe mit "Mit-sicht"!

Lebe mit Vor-Sicht, Rück-Sicht, Nach-Sicht!






zu "Aufhören, zu warten", S. 20


Ich füge an dieser Stelle den Text von Andrew Cohen ein, der mich zu diesen Zeilen angeregt hat:

"Die meisten von uns verbringen ihr Leben gänzlich gefangen - gefangen und erdrückt in einer Art Zwischenzustand - gefangen, weil wir, ohne es überhaupt zu merken, ständig warten. Und dieses Warten ist eine Erfahrung fast ununterbrochener Tyrannei. Wir sind gefangen von der Bewegung der Zeit, weil wir in einem ständigen Zustand der Erwartung leben - Warten, endloses Warten auf die Zukunft. Wir leben auf diese Weise, weil wir glauben, in der Zukunft würde unser Leben irgendwie besser als jetzt.

Wenn unsere Beziehung zum Leben auf Warten basiert, dann ist es uns nicht möglich, zu wissen, wie es ist, wahrlich lebendig zu sein - denn ganz gleich was wir auch im gegenwärtigen Augenblick erfahren mögen, wir werden weiter warten. Wir werden nicht einmal zu warten aufhören, wenn wir wahrhaftig glücklich sind, denn ohne es zu bemerken, sehen wir das Ende des Glücks schon voraus. Und auf die genau gleiche Weise werden wir auch warten, wenn wir Angst und Unsicherheit erfahren - warten, dass diese unangenehme Erfahrung aufhört.

Auf der grundlegendsten Ebene halten wir uns also immer zurück. Deshalb sind wir auch nicht bereit, zu geben, nicht bereit, Vertrauen zu haben, und kaum bereit, uns mit ganzem Herzen dem Leben hinzugeben. Wenn wir es genau betrachten, sehen wir tatsächlich nichts als warten - warten darauf, dass sich die Dinge ändern, warten darauf, loszulassen. Warten ist die nie endende Zwischenzeit, in der sich unser ganzes Leben abspielt.

Doch es gibt einen Ausweg. Und dieser Ausweg ist eine absolute Beziehung zur Zeit. Eine absolute Beziehung zur Zeit liegt vor, wenn wir zu warten aufhören.

Wenn wir wahrhaft frei sein wollen, können wir uns selbst aus dem Gefängnis des Wartens, in dem zu leben wir beschlossen haben, befreien - einfach durch ernsthafte Kontemplation über eine absolute Beziehung zur Zeit. Durch diese Kontemplation wird es nämlich bald klar werden, dass es nichts gibt, auf das man warten müsste. Was sich in der Tat schließlich offenbaren wird, ist die tief greifende Erkenntnis, dass es nur einen Augenblick gibt - und dieser Augenblick ist immer jetzt und kann nur immer dieser eine Augenblick sein. Wenn wir dies für uns selbst entdecken, werden wir tatsächlich ohne irgendeinen Zweifel wissen, dass es nie etwas gegeben hat, worauf man warten müsste - die Erfahrung des Erkennens, dass es nie etwas gab, worauf man hätte warten müssen, eingeschlossen! Wenn wir das klar sehen, hören wir einfach zu warten auf. Und wenn wir zu warten aufhören, ändert sich alles.

Eine absolute Beziehung zur Zeit liegt dann vor, wenn wir vollkommen aufgehört haben, darauf zu warten, dass sich noch irgendetwas ereignet, um voll und ganz zu sein.

(Andrew Cohen, Himmel und Erde umarmen)



Eine Form des Nicht-Mehr-Wartens besteht darin, aufzuhören, darauf zu warten, dass etwas aufhört, dass etwas endlich fertig ist. Sie wird sehr schön in folgender Zen-Geschichte verdeutlicht:

Die Blätter des Ahornbaums

In einem japanischen Zenkloster hatte der junge Novize den Auftrag, den herbstlichen Zengarten vom gefallenen Laub zu befreien. Ein alter Mönch lehnte an der Mauer und beobachtete ihn. Nach einer Stunde aufmerksamen und meditativen Kehrens und Harkens hatte der Novize seine Aufgabe erfüllt. Die Tore des Klosters konnten geöffnet werden und die Besucher den Zengarten bewundern. Der alte Mönch sagte zu dem jungen Mann: „Wunderbar hast Du deine Arbeit getan. Ich muss Dich loben!“. Dann ging er langsam auf den Ahornbaum zu und schüttelte mit aller Kraft den herbstlichen Baum, bis die restlichen Blätter den Kies wieder dicht bedeckten.



Eine mehr ausgeschmückte Fassung dieser Geschichte steht in dem Buch „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm, einer Sammlung lehrreicher Geschichten, das ich dir, lieber Leser, herzlich empfehlen möchte. („Der perfekte Garten“, S. 24ff). Du wirst merken, dass in der Deutung, die Ajahn Brahm der Erzählung gibt, ein anderer Sinn der Geschichte hervorgehoben wird: Es ist weder möglich noch notwendig, etwas perfekt zu machen, weil es so, wie es jetzt - durch Zufall oder Schicksal - ist, schon perfekt ist.

Vollkommenheit liegt nicht darin, wie etwas im Vergleich mit Anderem ist, sondern einfach darin, dass es ist, dass es da ist. Und jedes Blatt eines Ahornbaums, jede Stelle auf dem Boden, ob mit oder ohne ein Blatt, ist gleich vollkommen da.

Wenn das, was jetzt da ist, vollkommen da ist, ohne Mangel und ohne Mängel, kann ich aufhören, zu warten. Wenn ich aufhöre, zu warten, merke ich, dass das, was jetzt da ist, vollkommen da ist, ohne Mangel und Mängel.

Wenn ich aufhöre , zu warten, kann ich lieben, was ist.

Wenn ich liebe, was ist, kann ich aufhören, zu warten.



Wenn ich aufhöre, ist etwas fertig

Ajahn Brahm erzählt in seinem schon erwähnten Buch folgende Geschichte:

„Von Juli bis Oktober übernimmt der Monsun das Regiment in Thailand. In dieser Zeit stellen die Mönche ihre Reisen ein, legen alle Projekte und Werkstücke zur Seite und widmen sich ausschließlich dem Studium und der Meditation. Diese Periode wird „Vassa“ genannt, das „Regen-Retreat“.

Vor einigen Jahren errichtete ein berühmter Abt in Thailand eine neue Halle in einem Waldkloster. Zum Zeitpunkt des Regen-Retreats ließ er alle Arbeiten einstellen und schickte die Bauarbeiter nach Hause. Im Kloster war jetzt die Zeit der stille angebrochen.

Als ein Besucher ein paar Tage später das halbfertige Gebäude sah, fragte er den Abt, wann die Halle denn fertig sein würde. Ohne zu zögern, antwortete der Abt: „Die Halle ist fertig.“

Was meinst du damit: "Die Halle ist fertig?“, fragte der Besucher verblüfft. „Sie hat kein Dach, keine Fenster oder Türen. Überall liegen Holzstücke und Zementsäcke herum. Soll denn das alles so bleiben? Bist du verrückt? Was soll das heißen: "Die Halle ist fertig" ?“

Der alte Abt lächelte und erwiderte gelassen: „Was getan wurde, ist fertig.“

Und damit schritt er davon, um zu meditieren.

Dies ist die einzige Möglichkeit, sich ein Retreat oder eine Pause zu gönnen. Sonst wird unsere Arbeit nie fertig.“


Wenn ich aufhöre, zu warten, darauf zu warten, dass ich mit etwas fertig werde, dass etwas aufhört, kann ich jetzt, in diesem Augenblick, in jedem Augenblick aufhören, aufhören, etwas zu tun. Das, was (jetzt schon) getan ist, was (jetzt schon) da ist, ist genug. Ob (noch) etwas zu tun ist, (noch) etwas fehlt, dass (noch ) etwas zu tun ist, (noch) etwas fehlt, ist (jetzt) nicht wichtig. Ich kann das, was ich gerade tue, jeder-zeit unterbrechen, ohne das Gefühl, dass es noch nicht fertig ist. Es ist dann fertig, wenn ich aufhöre.

Und ich kann auch in jedem Augenblick aufhören, nichts zu tun. Ich kann in jedem Augenblick weitermachen, wieder anfangen, etwas zu tun.





In Michael Endes Buch „Momo“ findest du, lieber Leser, folgendes Beispiel:

Beppo, der Straßenkehrer

Beppo, der Straßenkehrer, erklärt der Titelheldin, wie er arbeitet:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man." Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt noch immer vor einem. So darf man es nicht machen“

Er dachte einige Zeit noch. Dann sprach er weiter: ''Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst Du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich; und immer wieder an den nächsten.“ Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: "Dann macht es Freude, das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: „Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt, wie, und man ist nicht außer Puste.“ Er nickte und sagte abschließend: „ Das ist wichtig.“

(Michael Ende, Momo, S.38-39)


Die Zen-Lehrerin Adelheid Meutes-Wilsing fügt folgenden Kommentar hinzu:

Beppo kehrt die Straße, Besenstrich für Besenstrich. Er schaut nicht nach dem Ende der Straße wie lange es noch dauern wird, denn die Straße ist lang. Er macht einfach einen Besenstrich nach dem anderen. Vielleicht wird er heute gar nicht fertig. Vielleicht macht er morgen weiter bis an das untere Ende der Straße, und dann ist sie am oberen Ende wieder schmutzig, und er beginnt übermorgen wieder, die Straße zu kehren

(Meutes-WIlsing, Zen für jeden Tag, S.15)






Jede Zeit ist meine Zeit

Solange ich zwischen Zeit für mich und Zeit für Andere unterscheide, kann ich nicht aufhören, zu warten. Ich werde dann darauf warten, dass endlich die Zeit für Andere aufhört und die Zeit für mich beginnt.

Ich kann nur aufhören, zu warten, wenn jede Zeit meine Zeit ist.

Lassen wir dazu einen Meister des Nicht-Wartens, den vietnamesischen Zen-Meister Thich Nhat Hanh, zu Wort kommen:

„Gestern bekamen wir Besuch: Allen schaute mit seinem Sohn Joey bei uns vorbei. Groß ist Joey geworden! Mit seinen sieben Jahren spricht er bereits fließend Französisch und Englisch - und etwas Slang von der Straße.

Der Unterschied zwischen dem Erziehungsstil hier im Westen und dem bei uns zu Hause in Vietnam ist beträchtlich: „Ein Kind braucht Freiheit in seiner Entwicklung" - dies ist hier die vorherrschende Einstel­lung der Eltern. In den zwei Stunden, die ich mich mit Allen unterhielt, musste er Joey ständig im Auge behalten. Joey spielte und redete unun­terbrochen, störte uns dauernd, so dass es kaum möglich war, ein norma­les Gespräch zu führen. Ich gab ihm ein paar Bilderbücher, aber er schau­te sie nur flüchtig an und warf sie gleich wieder beiseite. Wieder unter­brach er unser Gespräch, forderte ständig unsere Aufmerksamkeit.

Später ging er dann nach draußen, um mit einem Nachbarkind zu spielen. Ich fragte Allen: „Ist es einfach, mit einer Familie zu leben?" Allen antwortete nicht direkt. Seit der Geburt von Ana vor einigen Wo­chen, sagte er, habe er kaum richtig schlafen können. Nachts wecke ihn Sue auf und bitte ihn - da sie selbst zu müde zum Aufstehen ist - nach­zusehen, ob Ana noch atmet. „Ich stehe also auf, schaue nach der Klei­nen, gehe wieder ins Bett und schlafe weiter. So geht das manchmal zwei- bis dreimal in einer Nacht."

„Findest du das Leben als Familienvater einfacher als das eines Junggesellen?", fragte ich ihn. Er schwieg. Aber ich verstand. So stellte ich ihm eine weitere Frage: „Viele Leute behaupten ja, dass man mit einer Familie weniger einsam ist und mehr Sicherheit genießt. Siehst du das auch so?" Allen nickte und murmelte etwas vor sich hin.

Schließlich sagte Allen: „Weißt du, ich glaube, ich habe eine Mög­lichkeit gefunden, wie ich jetzt viel mehr Zeit für mich haben kann. Früher habe ich meine Zeit ganz anders betrachtet: Sie schien mir aus lauter verschiedenen Abschnitten zu bestehen. Einen Teil hatte ich für Joey reserviert, einen anderen für Sue, dann gab es den, wenn ich mich mit ihr gemeinsam um Ana kümmerte, und schließlich noch den Anteil für die Hausarbeit. Die Zeit, die dann noch übrig blieb, gehörte mir. Da konnte ich lesen, schreiben, meine Forschungsarbeit betreiben und spazieren gehen. Neuerdings versuche ich, mir meine Zeit überhaupt nicht mehr in einzelne Abschnitte einzuteilen. Die Zeit mit Joey und Sue betrachte ich jetzt genauso als meine eigene Zeit. Wenn ich Joey bei den Hausaufgaben helfe, schaue ich, wie ich auch diese Zeit genau­so zu meiner eigenen machen kann. Ich gehe also mit ihm seine Haus­aufgaben durch, bin ganz bewusst mit ihm zusammen und entwickle so auch wirkliches Interesse an unseren gemeinsamen Aktivitäten. Die Zeit, die ich scheinbar nur ihm widme, wird dadurch plötzlich zu mei­ner eigenen Zeit. Genauso mache ich es jetzt auch mit der Zeit, die ich mit Sue verbringe. Und das Verblüffende daran ist, dass ich auf einmal unbegrenzt Zeit für mich selbst habe!" Allen lächelte, als er mir das erzählte. Ich war überrascht. Das hatte Allen nicht aus Büchern, son­dern in seinem Alltag für sich allein herausgefunden.“

(aus Thich Nhat Hanh, Das Wunder der Achtsamkeit)







zu "Ich atme. das ist genug.", S. 23


Ich atme.

Es atmet mich.

Es atmet sich.


Ich bin

der, der sich atmen fühlt -

der Atem, der mich atmen fühlt -

das Atmen, das sich atmen fühlt.


Ich bin

der Atmende, der Atem und das Atmen.


Ich atme

und

es atmet.


Das ist alles.

Das ist genug.


"Wenn ich mit meiner Aufmerksamkeit dem Atem folge, mein Geist die ganze Zeit beim Atem bleibt oder sofort zu ihm zurückkehrt, wird mein Geist immer mehr eins mit dem Atem. Die Trennung zwischen Geist und Atem löst sich immer mehr auf. Während der Geist dem Atem folgt, ist der Geist der Atem und nichts als der Atem. Der Geist betrachtet den Atem nicht mehr von außen, der Atem steht ihm nicht mehr als etwas Anderes, Fremdes, Äußeres gegenüber, sondern der Geist wird immer mehr selbst zum Atem, Geist und Atem werden eins."


Das ist ein Auszug aus einer Atemübung, mit der du das Atmen, "das alles ist, das genug ist", tatsächlich erfahren kannst.









zu „Ich bin, was jetzt geschieht“, S. 29


Ich bin

der, der den Brunnen plätschern hört,

der Brunnen, der sein Plätschern hört,

das Plätschern, das sich selber hört.


Ich bin

der Hörer, das Gehörte und das Hören,

in Einheit miteinander und doch auch getrennt,

verschieden voneinander und doch auch dasselbe.


Ich bin

zwar auch, jedoch nicht nur das Subjekt,

bin auch das Objekt, auch das Prädikat.


Ich bin

zwar auch Erfahrender, jedoch nicht nur,

auch das Erfahrene und das Erfahren.


Ohne die Anderen kann in dieser Dreiheit keiner sein,

und nur gemeinsam können diese Drei entstehen,

nur miteinander bleiben und besteh’ n.









zu "Finden, verlieren, loslassen", S. 44

Solange ich Angst habe,

etwas zu verlieren,

lohnt es sich nicht,

etwas zu behalten.

Wenn ich Angst habe,

etwas zu verlieren,

etwas behalten will,

habe ich schon alles verloren.

Sobald ich keine Angst mehr habe,

etwas zu verlieren,

nichts mehr behalten will,

habe ich schon alles gewonnen,

kann es nicht mehr verlieren.



Kommentar:


Die Angst vor dem Scheitern

verliert man durch Scheitern.

Die Angst vor dem Scheitern

führt zum Scheitern.

Die Angst vor dem Scheitern

ist schon das Scheitern.


(Solange ich Angst habe, zu scheitern,

bin ich schon gescheitert)










zu "Lieben, was ist", S.58



Du bist erleuchtet, wenn

du immer lebst im Licht,

du immer liebst, was ist,

denn Licht ist das, was ist.


Das, was jetzt ist, ist immer

von Mangel frei und Mängeln,

vollkommen wahr und schön

und auch vollkommen gut.

Es ist ja das, was immer ist,

so, wie es gerade ist,

so, wie es nun mal ist

im Nun einmalig ist.



Leb´ deshalb in der Liebe,

zu dem, was jetzt hier ist!

Bleib einfach in der Liebe

zu allem, was jetzt ist!



Ganz plötzlich war ich von einer feuerfarbenen Wolke umgeben. Einen Augenblick lang dachte ich an Feuer, an ein Flammenmeer irgendwo nahebei in jener großen Stadt, im nächsten wusste ich, dass das Feuer in mir war. Unmittelbar darauf überkam mich ein Gefühl des Jubels, der unermesslichen Freude, begleitet oder gefolgt von einer Erleuchtung des Verstandes, die ich unmöglich beschreiben kann. Unter anderem begriff ich nicht nur, sondern ich sah, dass das Universum nicht aus toter Materie besteht, sondern im Gegenteil eine lebendige Gegenwart ist; mir wurde bewusst, dass ewiges Leben in mir ist. Es war nicht die Überzeugung, dass mir ewiges Leben zuteil werden würde, sondern das Bewusstsein, dass ich in diesem Augenblick ewiges Leben hatte; ich erkannte, dass alle Menschen unsterblich sind; dass die kosmische Ordnung so ist, dass ohne jeden Zweifel alle Dinge zum Besten von allem und jedem zusammenwirken; dass das Ursprungsprinzip der Welt, aller Welten, das ist, was wir die Liebe nennen, und dass das Glück aller und jedes Einzelnen auf lange Sicht eine absolute Gewissheit ist.

Nun kam ein Moment der Verzückung, so intensiv, dass das Universum stillstand, als sei es verblüfft über die unbeschreibliche Erhabenheit des Schauspiels. Nur einer im ganzen unendlichen Universum! Der All-Liebende, der Vollkommene … In demselben wunderbaren Augenblick dessen, was man himmlische Seligkeit nennen könnte, kam die Erleuchtung. Ich sah in einem eindringlichen inneren Bild die Atome oder Moleküle, aus denen sich das Universum anscheinend zusammensetzt – ich weiß nicht, ob materiell oder spirituell –, wie sie sich neu anordnen, während der Kosmos (in seinem fortdauernden, immerwährenden Leben) von einer Ordnung in die andere übergeht. Welche Freude, als ich sah, dass in der Kette keine Unterbrechung war – kein Glied wurde ausgelassen –, alles geschah an seinem Platz und zu seiner Zeit. Welten, Systeme – alles vermischte sich zu einem harmonischen Ganzen.
(R. M. Bucke, zitiert aus Ken Wilber, Wege zum Selbst)






Was zwingt mich denn, was hindert mich


Warum muss ich denn jetzt,

in diesem Augenblick,

dem einen, den es gibt,

im Mangel leben,

dem, was fehlt?


Was hab' ich denn davon,

in diesem Augenblick,

den es alleine gibt,

Mängel zu sehen

und Fehler?


Was hindert mich daran,

das, was jetzt ist, zu lieben,

mit allem, was ich hab’,

mit allem, was ich bin,

es mangelfrei zu sehen,

es mängelfrei zu finden?


Nichts.

Nichts.

Es gibt doch keinen Grund.

Das, was nicht ist, hat keinen Grund.

Nichts spricht dafür, jetzt nicht zu lieben.

Nichts spricht dafür, nicht jetzt zu lieben.


Drum liebe jetzt das Jetzt!

Liebe aus gutem Grund, doch alles, was jetzt ist!

Für alles, was jetzt ist, ist Liebe doch der Grund.

Und Liebe ist im Grunde auch alles, was du bist.


Vielleicht gibt `s auch für Liebe

nicht wirklich einen Grund.

Vielleicht brauch‘ ich zum Lieben

auch gar nicht einen Grund.

Lieben, um zu lieben –

das reicht vielleicht als Grund.


PS:

Lass das, was du jetzt siehst,

ein Spiegel sein für das, was du noch nicht siehst,

was du auch niemals sehen kannst, nur wissen,

was du jetzt noch nicht weißt, was du nur glaubst,

wovon du glaubst, dass du es wissen wirst!


Lass’ doch die Welt ein Spiegel für den Himmel sein!

Sieh von der Erde das, was schon den Himmel spiegelt –

des Himmels Freude und des Himmels Glück!



Ich bin

von Kopf bis Fuß

auf Liebe eingestellt.

Denn das ist meine Welt.

Und sonst gar nichts.

(Friedrich Hollaender, Marlene Dietrich)






„Wenn man den Pfad betritt, wird man früher oder später die befreiende Erfahrung machen, nichts mehr zu wollen und nichts mehr zu brauchen…..

In diesem Freisein von Wünschen liegt ein so gehaltvoller Friede, dass die größte Herausforderung einfach darin besteht, sich davon nicht zu entfernen…..

Die größte Herausforderung für jemanden, der mehr als alles andere frei sein will, ist nicht, die Wahrheit zu erfahren – die in der explosiven Erkenntnis liegt, dass man niemals von zu Hause fort war -, sondern sie liegt in der heroischen Übung, der Versuchung zu widerstehen, sich jemals von dieser Wahrheit fort zu bewegen…..

Das Davon-Fortbewegen kommt in verschiedenen Verkleidungen: Eine Form, die es annimmt, ist die tiefe Überzeugung, etwas würde nicht stimmen. Das ereilt ziemlich jeden. Wenn etwas nicht stimmt, wollen wir herausfinden, wie es in Ordnung gebracht werden kann, und wir verlassen unseren Platz, um eine Lösung zu finden. Indem wir nach einer Lösung suchen, bewegen wir uns, ohne es zu merken, von dem fort, wo wir waren. Doch wenn wir dieser Versuchung widerstanden hätten, hätten wir den Ort nie verlassen, der frei von Wünschen ist, den Ort, an dem wir waren, bevor wir zu der Überzeugung kamen, es gäbe ein Problem, mit dem wir fertig werden müssen..

Wenn wir mit immer größerer Tiefe in uns hineinblicken, erkennen wir dieses Verlangen, sich fort zu bewegen. Wir werden fest stellen, dass dieses Verlangen der primäre Impuls, zu werden, ist, was für die meisten von uns alles ist, was wir kennen. Der Impuls, zu werden, ist der unvorstellbaren Vollkommenheit des Friedens, den wir entdeckt haben, entgegengesetzt. Also unbewusst, unterbewusst und sogar bewusst laufen wir immer von dem Ort vollkommenen Friedens davon. Wohin? Dorthin, wo wir denken, dass wir sein möchten. ….

Für das Ego, für jenen Teil von uns, der nichts als getrennt sein will, bedeutet Nicht-Bewegen Auflösung und Tod.“

(Andrew Cohen, Himmel und Erde umarmen, S. 98ff)..






Liebe will nicht.

Liebe kämpft nicht.

Liebe wird nicht.

Liebe ist.


Liebe sucht nicht.

Liebe fragt nicht.

...

Liebe ist,

so, wie du bist.


(Nena, Liebe ist)





Kommentar.

"Was zwingt mich jetzt,

nicht jetzt zu leben?

Was zwingt mich jetzt,

jetzt nicht zu lieben?"


Wenn ich nur "nichts" als Antwort finde,

kann ich jetzt Liebe leben,

kann jetzt das Leben lieben;

und will auch, was ich kann:

will leben, was jetzt ist -

will lieben, was jetzt ist.

Jetzt!






Wenn es einen Mangel gäbe

in dem, was hier jetzt ist,

dann würde etwas fehlen.

Dann würde ich suchen, was fehlt.

Dann würde ich hin wollen zu dem, was fehlt.

Dann würde ich lieben, was nicht ist.


Doch es gibt keinen Mangel

in dem, was jetzt hier ist.


Wenn es Mängel gäbe

in dem, was hier jetzt ist,

dann würde etwas stören.

Dann würde ich vermeiden (bekämpfen), was stört.

Dann würde ich weg wollen von dem, was stört.

Dann würde ich nicht lieben, was ist.


Doch es gibt keine Mängel

in dem, was jetzt hier ist.


Das, was hier ist,

ist frei von Mangel.

Das, was jetzt ist,

ist frei von Mängeln.


Deshalb:

Liebe, was ist!

Denn Liebe ist.

Liebe ist alles, was ist.


PS.

Glaube, dass Liebe ist!

Lebe, dass Liebe ist!

Glaube, dass Liebe

alles ist, was ist!

Lebe das, was ist!


Du weißt doch im Grunde,

dass Liebe ist, was ist.

Glaub' einfach, was du weißt!

Habe den Mut, zu glauben!

Glaube, das ist der Mut,

zu leben, was ich weiß.






Liebe immer! Liebe alles!


Liebe, was ist!

Liebe, dass es ist!

Liebe, wie es ist!

Manchmal ist, dass du nicht liebst, was ist.

Manchmal ist, dass du liebst, was nicht ist.

Lieb' auch, dass du nicht liebst, was ist!

Lieb' auch, dass du liebst, was nicht ist!

Lieb' immer, was ist!

Lieb' alles, was ist -

so, wie es ist!














zu "Als und jetzt", S. 69

„Das Ego muss sterben!“,

sagte das Ego –

und lebte munter weiter,

indem es sich bekämpfte.


„Das Ego gibt es nicht“,

sagte das Ich.

Das Ego war verschwunden.

Es war ja nie da.




Unwissenheit (des Egos) ist ein Gefängnis,

aus dem es keine Flucht gibt.

Nur von außen kann man den Weg seh' n,

auf dem man rauskommt.

Man kann nur sehen, wie man rauskommt,

wenn man schon draußen ist.




"Ein wahnsinniges Glaubenssystem kannst du nicht von innerhalb dieses Systems bewerten. Seine Reichweite schließt das aus. Du kannst nur darüber hinausgehen und von einem Ort, wo geistige Gesundheit herrscht, zurückblicken und den Kontrast sehen
. Nur durch diesen Kontrast kann der Wahnsinn als wahnsinnig beurteilt werden. ....

Du kannst nicht einen Teil eines Denksystems beibehalten, weil es nur an seiner Grundlage in Frage gestellt werden kann. Und diese muss von außerhalb des Denksystems in Frage gestellt werden, weil sie innerhalb des Systems in der Tat Bestand hat."

( Ein Kurs in Wundern, Kap. 9, VII, 6., 1-3 .....7, 4-5))



Nur wenn ich weiß, dass ich das Ich-Bin bin, schon immer das Ich-Bin war, für immer das Ich-Bin sein werde, kann ich durchschauen, dass ich nicht das Ego bin, dass ich nie das Ego war, dass das Ego nie da war.






Verlieren, finden, sein


Du glaubst, dass du verloren hast,

das Spiel des Lebens, deinen Weg,

dass du dich selbst verloren hast,

du hoffnungslos verloren bist.


Wie du dich siehst, das bist du nicht in Wirklichkeit.

Was du dir vorstellst, das ist Gott sei Dank nur Schein.

Das, was du glaubst, das ist ein finsterer Aberglaube.

Was du dir denkst, kann gar nicht wirklich sein.


Was wirklich ist, kann nicht gewinnen, nicht verlieren.

Es kann gar nicht verloren geh’ n, was ist.

Nicht was du bist, nur, was du hast, kannst du verlieren.

Du kannst nur das verlieren, was du gar nicht bist.


Du kannst auch niemals finden, was du bist.

Das, was du bist, kannst du nur einfach sein.

Die ALLMACHT will ja, dass es ewig ist.

Ein falsches Bild von dir kannst du er-finden.

Doch kannst du nicht er-finden, was du bist.


Du kannst dir auch nicht selbst im Wege steh’ n,

Das, was du bist, das hat gar keinen Weg.

Und das, was ist, wird immer auf dem WEG geh’ n.

Denn auf dem WEG ist alles das, was ist.


Was du dir ausdenkst, was du tust und lässt,

kann überhaupt nicht ändern, was du bist,

was du schon immer warst und immer sein wirst,

das, was für alle Zeiten unverändert ist.



Ich möchte dir, lieber Leser, eine zwischen-menschliche, dia-logische Fassung dieser Zeilen nicht vorenthalten :


Du sagst, du habest dich verloren –

in mir, durch mich, an mich.


Nur, was du hast, kannst du an mich verlieren,

Du kannst an mich doch nicht verlieren, was du bist.

Nur das, was du nicht wirklich bist,

kannst du in mir verlieren.

Nur das an dir, was es nicht gibt,

kannst du durch mich verlieren.


Das Ich, das was du wirklich bist,

das kann sich nicht verlieren –

in mir, durch mich, an mich.








zu "Nicht viel Zeit", S. 74


Ein Experiment mit der Zeit


Stell dir vor, lieber Leser, du bekommst in diesem Moment folgende Botschaft vom Planeten XY:

„Wir werden dich genau in einem Jahr auf unseren Planeten beamen. Keine Sorge, dir wird es bei uns gut gehen. Du wirst der Repräsentant deiner Milchstraße sein, in etwas wohnen, was man bei euch einen Palast nennt, und dir wird es auch sonst an nichts fehlen. Damit du jedoch nicht auf die dumme Idee kommst, auf deinen Heimatplaneten zurück zu wollen, werden wir jede Erinnerung daran, was du dort bis jetzt erlebt hast, löschen. Leider sind jedoch auch unsere Möglichkeiten nicht unbegrenzt. Das, was ab jetzt in deinem Bewusstsein ist, das müssen wir dir lassen, das kannst du, musst du, wirst du mitnehmen auf unseren Planeten.“



Es ist interessant, wenn man jetzt die Zeitspanne bis zu dem Augenblick, in dem man auf den anderen Planeten gebeamt wird, immer mehr verkürzt, diesen Zeitpunkt immer näher schiebt. Dann komme ich in der Zeit der Nicht-Zeit immer näher.

Wenn ich noch ein Jahr Zeit habe, kann ich vielleicht merken, was mir wirklich wichtig ist.

Vielleicht wird mir bewusst, dass ich schon immer lernen wollte, Klavier zu spielen. Und es lohnt sich doch noch, anzufangen. Ich will doch kein Konzertpianist werden.

Wenn mir noch 2 Monate bleiben, wird mir vielleicht klar, dass ich unbedingt noch die Nationalparks im Südwesten der USA sehen will: den Grand Canyon, die Coyote Buttes, das Monument Valley. Und die Zeit reicht ja für eine solche Reise.



Was passiert, wenn ich heute um 24 Uhr auf XY gebeamt werde, ich also nur noch diesen Tag habe, habe ich nach dem Aufwachen mal in meiner Phantasie durchgespielt.

Es wäre der letzte Gang zum Bäcker, um morgens die Brötchen zu holen. Und weil es das letzte Mal wäre, wär’ es wie ein erstes Mal.

Ich würde natürlich alles erledigen, was ich Anderen versprochen habe - soweit das an diesem Tag möglich ist,

Ich würde Freunden einen kurzen Abschiedsgruss senden.

Und dann würde ich mir die Frage stellen: „Wen oder was will ich noch mal sehen, noch mal hören?“, und würde die Antwort darauf leben:

Ich würde noch mal meine Lieblingsmusik auflegen.

Ich würde meine Enkelin anrufen, um ihre Stimme noch mal zu hören. Vielleicht würde ich auch zu ihr fahren, um sie noch mal zu seh' n.

Ich würde mir noch mal meine schönsten Fotos anschauen.

Ich würde noch mal an den Rhein gehen, der Strömung und den Schiffen zuschauen.

Ich würde noch mal mit meiner Frau einen argentinischen Tango tanzen.

Warum kann ich diesen Tag nicht wirklich so leben?

Warum lebe ich nicht jeden Tag als letzten Tag?



Im Film „Und ewig grüßt das Murmeltier“ muss die verdrießlich-nörglerische, ironisch-sarkastische Hauptfigur, der egozentrische "Wetterfrosch“ eines Fernsehsenders, immer wieder denselben Tag erleben, so lange, bis er gelernt hat, ihn mit der größtmöglichen Lebensqualität zu füllen. Dieser Tag ist gewissermaßen ein Test, eine Prüfung, die er bestehen muss, um für die nächste Aufgabe zugelassen zu werden. Er kann diese Prüfung unbegrenzt oft wiederholen, muss das jedoch auch, bis er so viel gelernt hat, dass er die Prüfung schafft. Bis dahin stockt der Fluss der Zeit, friert ein, erstarrt.


Als erstes merkt er – seiner selbstbezogenen Eigen-Art entsprechend – dass ihm diese merkwürdige Daseinsform ja Gelegenheit gibt, alles zu tun, wozu er Lust hat und endlich alles zu unterlassen, wozu er keine Lust hat. Er kann sich leisten, nicht mehr nach der Pfeife anderer zu tanzen. Er muss sich an keine Spielregeln mehr halten, weil es keine Strafe dafür gibt, sie nicht einzuhalten. Er kann über die Stränge schlagen, „sich daneben benehmen“, ohne dafür gemaßregelt zu werden. Er kann seine Gelüste und Begierden ausleben, ohne einen Preis dafür bezahlen zu müssen, Orgien und Exzesse später bereuen zu müssen.

Nichts, was er tut, hinterlässt ja Spuren, hat bleibende Wirkungen.

Doch dieses Leben frei von Konsequenzen verliert mit der Zeit - in der Zeit - seinen Reiz.


Als nächstes versucht er, seine Macht über die Zeit, sein Wissen von Vergangenheit und Zukunft, die ihm das ewige Wiederholen desselben Tages verschafft, dazu zu nutzen, Macht über andere Menschen auszuüben – sie für seine eigenen Ziele und Zwecke zu missbrauchen:

Sein Vorher-Wissen, wie etwas ablaufen wird, dazu, genau im richtigen, einzig möglichen Zeitpunkt eine Tasche mit Geldscheinen aus einem Transporter zu stehlen, in Gegenwart des für diesen einen Moment abgelenkten Wachpersonals.

Sein Wissen um die Lebensgeschichte der Anderen dazu, sie zu manipulieren, geschickt zu beeinflussen.

Vor allem versucht er, Frauen zu verführen; was ihm bei denen, an denen ihm nicht viel liegt, auch gelingt.


Doch auch der Rausch der Macht ist nicht für immer befriedigend, nicht erfüllend.

Auch alle seine weiteren Bemühungen sind auf die Dauer nicht erfüllend, reichen nicht aus, die Ewigkeit zu füllen.

Sie erschöpfen sich, führen irgendwann nicht mehr weiter, enden als Sackgasse.

Er muss immer wieder neue Wege – Auswege – suchen, die jedoch auch irgendwann alle sinnlos werden.

Auch durch Selbstmord kann er sich nicht aus seinem Gefängnis, der Hölle der ewigen Wiederkehr, befreien.


Schließlich merkt er, dass es ihm eigentlich darum geht, das Herz seiner herzlichen, liebenswürdigen Kollegin zu gewinnen. Er versucht, für sie liebenswert zu werden, indem er sich immer mehr an sie anpasst, sich immer mehr in ihr Fühlen einfühlt, immer mehr ihre Einstellungen und Werte übernimmt.

Doch seine Verführungsversuche enden schließlich alle doch mit Zurückweisung und Ablehnung.

Er will eben immer noch geliebt werden, will nicht selber lieben.

Er hat eben immer noch eine Absicht, ist immer noch auf sich selbst bezogen.

Und diese Absicht wird von der absichtslosen, selbstlosen Liebe trotz immer raffinierterer Tarnung und Täuschung schließlich doch durchschaut – oder vielleicht mehr „durchfühlt“ – und abgewiesen.


Durch das ständige Bemühen, sich mit manipulativer Absicht immer mehr bei seiner Kollegin beliebt zu machen, passiert jedoch etwas, was er nicht beabsichtigt hat, was er nicht geplant hat und womit er auch nicht gerechnet hat: er wird ihr wirklich immer ähnlicher. Er fängt an, auch selbst immer lebensbejahender und menschenfreundlicher zu denken.

Doch auch das führt nicht dazu, dass er aus seinem Gefängnis befreit wird. Auch liebevolles Denken reicht nicht.

Erst als er auch anfängt, liebevoll zu handeln, löst sich der Bann.


Er bleibt gefangen in sich selbst, bis er den einen Weg gefunden hat, der ewig sinnvoll bleibt, der nie sinnlos wird.

Bis er gelernt hat: Nur was man in tätiger Liebe lebt, das kann man für immer leben, kann man immer wieder leben.

Er könnte diesen Tag jetzt ewig leben, genau so, wie er ihn lebt.

Er wäre so, wie er ihn lebt, vollkommen – es würde nichts fehlen, es würde nichts stören.

Er müsste diesen Tag nicht anders leben.


Und genau jetzt, wo er nichts mehr lernen muss, wo er nichts mehr lernen kann,

kann er den nächsten Tag leben, den nächsten Tag lernen.





Wie es ist, wenn man nur noch einige Sekunden hat, zeigt sehr schön folgende kurze Geschichte, die Buddha zugeschrieben wird:


Ein Mann rennt über eine Hochebene, verfolgt von einem Tiger. Der Tiger kommt immer näher, wird ihn bald einholen. Da kommt der Mann an einen Abgrund. Um nicht vom Tiger gefressen zu werden, springt er hinein - und hat Glück. In der sonst kahlen Felswand wächst ein einziger Walderdbeerstrauch. Den kann er im letzten Moment greifen und sich mit einer Hand an ihm fest krallen. Doch er weiß: er wird sich nur wenige Sekunden halten können. Dann wird er in den Tod stürzen.

In dieser ausweglosen Lage sieht er, in der Nähe seiner Hand, eine einzige Walderdbeere. Er bietet seine letzte Kraft auf und greift mit der freien Hand nach der leuchtend roten Frucht. Wie wunderbar schmeckt doch diese Walderdbeere!



Was verändert sich, wenn die Xypsiloniten nur den letzten Moment vor dem Hochbeamen mir lassen müssen, ihn nicht löschen können?

Dann ist dieser Augenblick der einzige, den ich je gelebt habe.

Dann ist dieser Augenblick der einzige, an den ich mich erinnern kann, erinnern werde.


Wenn ich dann nicht die Frage stelle: „Wie wird es auf XY sein?

„Was wird mich da erwarten?“;

wenn ich dann nicht darauf warte, was im nächsten Augenblick geschehen wird,

wenn ich dann nichts erwarte, auf nichts warte,

wenn ich dann im Jetzt bleibe, in diesem Augenblick,


dann habe ich mich entschieden, zeit-los, frei von der Zeit zu leben.

Dann habe ich verstanden, was die Nicht-Zeit ist,

Dann ist dieser Augenblick der einzige, den es gibt, die einzige Zeit, die es gibt.

Dann habe ich die Nicht-Zeit erreicht, lebe ich in der Nicht-Zeit, bin ich Nicht-Zeit.

Dann bin ich da angekommen, wo ich schon die ganze Zeit gewesen bin. Ich wusste es nur nicht.

Dann lebe ich das, was ich schon immer war.

„Schon ehe Abraham ward, ist das ,Ich Bin`.“











zu ""Jetzt: Volles Leben, volles Sterben", S.76

Du findest hier, lieber Leser, einige Texte zur Vergänglichkeit.






zu "Sicher ruh'n in Wirklichkeit - ..."

Ich möchte dir, lieber Leser, folgende sehr schöne Geschichte von Leo Tolstoj nicht vorenthalten:








zu "Bedeutungsfrei", S. 91
Zeile: "Nur, wenn es die Welt nicht gibt,

wenn SIE bedeutungs-frei ist,

kann ICH in IHR glücklich leben."


Was wirklich ist, das wirkt,

das ist auch wichtig.

Nur das, was es nicht gibt,

das ist bedeutungslos.

Die Welt, die wirklich ist,

die bietet Widerstand.

Die Welt, die wirkt,

die wirkt mir auch entgegen,

schränkt mein Wirken ein.

Nur in der Welt,

die es nicht gibt,

kann ich frei wirken.

Die Welt, die für mich wirklich ist,

ist für mich ein Gefängnis.

Ich kann ihr nicht entkommen,

ich komm aus ihr nicht raus.

Nur das, was es nicht gibt,

das kann ich auch verlassen

Es lässt mich frei,

hält mich nicht fest,

bindet mich nicht an sich.


Die Welt ist nur ein Traum.

Solang' ich schlafe,

ist er wirklich,

ist sie wichtig,

bin ich in ihm gefangen.

Erst wenn ich aufwach',

kann ich seh'n,

dass er nicht wirklich ist,

dass sie nicht wichtig ist,

dass ihre Mauern mich nicht hindern.





Kommentar:

Im Film „Matrix“ sieht Neo, der dazu auserwählt ist, die Menschheit von der Tyrannei der Maschinen zu befreien, wie ein kleines Kind eine Blume verbiegt, ohne seine Hände zu benutzen, einfach dadurch, dass es sie anschaut. Neo versucht, mit Aufbieten aller Willenskraft dasselbe zu erreichen, aber es gelingt ihm nicht. Das Kind bemerkt seine vergeblichen Bemühungen, und es entwickelt sich folgender Dialog:

Junge: "Versuch nicht den Löffel zu verbiegen, das ist nämlich nicht möglich! Versuch dir statt dessen einfach die Wahrheit vorzustellen!"
Neo: "Welche Wahrheit?"
Junge: "Den Löffel gibt es nicht."
Neo: "Den Löffel gibt es nicht?"
Junge: "Dann wirst du sehen, dass nicht der Löffel sich biegt, sondern du selbst."



Nur wenn ich weiß, dass es die Welt nicht gibt, dass sie gar nicht da ist, nie da war, kann ich in ihr frei wirken, ohne Widerstand, Anstrengung, Kampf und Krampf.

Die Welt, sie ist nur schön,

lädt dazu ein, in ihr freudvoll zu leben,

wenn es sie nicht gibt.

Dass es die Welt nicht gibt,

das ist kein Grund,

sich aus der Welt zurückzuziehen,

erleichtert, dass man das jetzt kann,

man nicht mehr in ihr leben muss.

Dass es die Welt nicht gibt,

das ist ein Grund,

freudig noch mehr in ihr zu leben

in ihr mit Leichtigkeit zu handeln,

froh darüber, dass man das jetzt kann,

man nicht mehr in ihr kämpfen muss.


Dass es die Welt nicht gibt, heißt nicht,

dass es sich nicht mehr lohnt, in ihr zu leben.


Dass es die Welt nicht gibt, bedeutet,

dass sich das Leben in ihr noch mehr lohnt.


Wenn es alles nicht gibt,

ist alles gut, was es gibt.







Ein Brunnen ohne Wasser


Ein Brunnen ohne Wasser, gebohrt von niemandem –

Und ein Mann, ohne Gewicht und Form,

trinkt aus ihm.


Keine Wände, kein Dach.

Mein Haus wird nicht nass.

Kein Sturm zerstört es.


Ohne jede Brücke

erklimmen Wolken

mühelos den Himmel.


Oh Weide, tiefgrün, oh Blume, leuchtend rot!

Ich weiß, ihr habt gar keine Farbe.


Ich habe nichts geseh‘ n auf meiner Reise.

Doch ich atmete – Zeit.


In dieser Welt ist – ausnahmslos-

wirklich alles unwirklich.


Das Da-Sein der Dinge gleicht dem Echo.

Es folgt dem Ruf am Fuß des Berges.


Hör' ihre (in Ikkyùs Original "grausame"!) Nicht-Antwort!

Bis Blut tropft, schlage deinen Kopf gegen ihre Mauer!



Starr sie dir an, bis deine Augen herausfallen:

diesen Tisch, diese Wand, diese unwirkliche Buchseite!



Lese die Liebesbriefe,

die Wind und Regen schicken,

Schnee und Mond!


Warum ist dieser falsche Traum,

warum ist dieses Verrückt-Sein so schön?





PS:

Etwas zu schreiben,

damit die Nachwelt es liest,

ist nur ein weiterer Traum.


Wenn ich erwache, weiß ich:

Es wird keinen geben,

der es liest.


(frei nach Ikkyù)











Erwache!

Und wenn du weiter träumen willst,

dann träum' doch angenehm!

"Wie glücklich würden deine Träume werden, wenn du nicht jener wärest, der jeglicher Figur, die der Traum enthält, die ,richtige' Rolle zuerteilte.

Niemand kann etwas anderes außer deine Vorstellung von ihm enttäuschen, und außer an dieser gibt es keinen Verrat"

(Ein Kurs in Wundern, S.616)

Lass' jeden einfach seine Rolle spielen in dem Traum!

Dann träumst du einen Traum der Schönheit, des Friedens und des Glücks.










zu "Zeichen-los", S. 97



Erfahrung,


die nichts bedeutet

weil sie auf nichts deutet,

nur ist, was sie ist.


die alles bedeutet.

weil sie alles ist, was ist.


die nichts bedeutet,

wenn sie nicht mehr ist.





zu "Stehen und Gehen", S. 100


Führen und Folgen


Wenn du beschaust in deinem Geist,

was du jetzt siehst, was du jetzt hörst,

was sich jetzt in dir vorstellt,

dann führe nicht und folge nicht!

Führ es nicht fort, verfolg es nicht!

Denn, was du wahr nimmst, sich dir vorstellt,

das führt zu nichts und folgt auf nichts,

steht ganz für sich alleine.


Doch wenn du handelst für die Welt,

dann führe und dann folge!

Führ’ nicht nur andere, führ’ auch dich,

lass’ dich von anderen führen!

Folg’ nicht nur anderen, folg auch dir,

lass’ andere dir folgen!

Denn was du tust und was du lässt,

das führt zu was, hat Folgen.







Richtig stellen, richtig stehen


Stell’ , was für sich all-eine steht,

das, was in keiner Reihe steht

doch ruhig in die Reihe!


Dass du es in die Reihe stellst,

steht ganz all-ein, für sich im Sein,

das steht nicht in der Reihe.


Auch wenn du es nicht richtig stellst,

es in die falsche Reihe stellst,

es an die falsche Stelle stellst;

dass du es stellst,

steht doch im Jetzt,

steht an der richtigen Stelle.


















zu "Gehen, ohne zu gehen", S. 107

Ein schönes Beispiel dafür, sich vorwärts zu bewegen und gleichzeitig in sich ruhend zu bleiben, stehend zu gehen, bietet uns die Natur:



Wellenwasser



Eine Welle lässt uns seh’ n,

ruhig in sich selbst zu bleiben,

ruhend in sich selbst zu steh’ n

und doch einen Weg zu geh’ n.



Auch wenn vorwärts fließt die Welle,

bleibt das Wasser auf der Stelle,

steigt hoch auf, sinkt wieder runter,

windbewegt, lebendig munter,

unbefangen leichter Tanz,

Zauberspiel der Eleganz:

Anmutig, beschwingt und heiter

bleibt es steh’ n und geht doch weiter.





vertiefende Texte









zu "Schon auf dem Weg am Ziel sein", S. 109


Ergänzende Graphik

Vertiefende Texte








zu "Einfach so", S. 113


Der Geist bewegt sich nicht.

Der Geist geht niemals fort.

Der Geist kommt immer an









Sieh nicht einen Weg!

Du machst nur einen Schritt.

Nimm doch nicht in diesen Schritt

noch andere Schritte mit!



Lauf' niemals von hier weg!

Lauf' niemals nach dort hin!

Hier liegt des Weges Zweck,

da, wo du weißt: "ich bin".


Komm' an immer hier;

jetzt - nicht irgendwann!

Komm' für immer an -

für immer an bei dir!




PS:

Den Weg, den ich gehe, kann ich verlieren;

den Schritt, den ich gehe, nicht;

den Schritt, den der Schritt geht, nicht.




























Kreislauf des Wassers


Ich will nicht mehr ein Fluss sein.

Ein Fluss wird mehr und mehr.

Ich will endlich das Meer sein.

Das Meer wird nicht mehr mehr.

Ich weiß, von wo ich komme -

doch das ist lange her;

war Wolke dann und Regen,

will jetzt zurück zum Meer.

Doch muss ich gar nicht eilen

als Fluss zum Meere hin.

Ich kann doch einfach bleiben

das, was ich jetzt schon bin.

Ich muss ja gar nicht streben

dorthin, wo ich komm her.

Ich bin dasselbe Wasser

als Wolke, Regen, Meer.












zu „Halten und lassen“, S. 128


"Lass’ alles kommen!"

"Lass' das, was jetzt ist, alles sein, was ist!"


Lass es sich weiten zum Unendlich-Sein


Lass’ es auch wieder geh’ n

Hier steckt natürlich, im Hintergrund verborgen, eine Frage:

Du hast doch gesagt, Rudolfo, dass im Land der Nicht-Zeit alles immer möglich ist. Warum kann man dann nicht immer so leben?


Das ist eine gute Frage.

Freu dich darüber, sie zu haben.

Vielleicht findet dich irgendwann eine Antwort,

vielleicht schon, wenn du die nächsten Seiten liest.







zum Rosenfenster der Kathedrale von Guadalupe, S. 135



weitere Rosenfenster:











zu "Shankara auf der Palme", S. 140,

Zeile "Man kann einen Baumstamm......"

Was es heißt, beid-seitig zu sehen und doch ein-seitig zu handeln, zeigt Victor Hugo in der Geschichte vom Marquis de Lantenac aus dem Roman "Dreiundneunzig".


"Das Schiff der Vendéens operiert in schwerer See vor der bretonischen Küste: Plötzlich löst sich eine Kanone aus ihrer Verankerung, und während das Schiff rollt und stampft, beginnt sie wie verrückt von einer Seite zur anderen zu rasen und droht - riesiges Ungetüm, das sie ist - Backbord und Steuerbord zu durchbrechen. Ein Kanonier (leider derselbe, dessen Nachlässigkeit die Schuld daran trug, dass die Kanone nicht genügend festgezurrt worden war) stürzt sich mit einem Mut ohnegleichen und mit einer Kette in Händen direkt vor das Ungetüm, das ihn beinahe zermalmt, stoppt es, fängt es ein, führt es an seinen Trog zurück und rettet derart das Schiff, die Besatzung und die Mission.

In feierlicher Liturgie lässt der schreckliche Lantenac die Männer auf dem Vorderdeck antreten, lobt den Tapferen, reißt sich eine hohe Dekoration von der Brust und steckt sie ihm an die seine, umarmt ihn, und hoch zum Himmel tönt der Matrosen Hurra.

Dann, diamanthart, erinnert Lantenac daran, dass der so Ausgezeichnete der Verantwortliche für den Zwischenfall war, und befiehlt, ihn zu füsilieren.

Glänzender Lantenac, virtuos, gerecht und unbestechlich!"

(zitiert von Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel. S. 271)






Zu „Drei-Schritt des Urteilens", S.144


Das Gedicht beschreibt drei Schritte, durch die man von einer Stufe zu der nächsthöheren aufsteigt.


Der erste Schritt führt vom Boden auf die erste Stufe -

Im Land der Zwei vom falschen an den richtigen Ort -

vom falschen zum richtigen Urteilen, Unter-Scheiden, Ent-Scheiden.


Der 2. Schritt führt von der ersten Stufe auf die zweite -

aus dem Land der Zwei in das Land der Eins -

vom richtigen Urteilen, Unterscheiden, Entscheiden zum Nicht-Urteilen, Nicht-Unterscheiden, Nicht-Entscheiden.


Der 3. Schritt führt von der zweiten auf die dritte Stufe -

aus dem Land der Eins in das Land der Drei -

auf der Nicht-Urteilen und Urteilen zusammen existieren.








zu "Antwort ohne Fragen", S. 157



Suche nicht das, was du nicht finden kannst!

Suche nicht fern von dir im Wald

die Kuh – scheinbar entlaufen –,

die immer noch im Stall steht -

bei dir zu Haus‘ wie immer!





Einfach


„Ich mache das Licht an und mache es aus;

steige vom Rad ab und steig’ wieder auf;

komme erst rein und renne dann raus.


Warum kann ich nicht einfach machen

(mein Leben einfach einfach machen)?

Warum kann ich nicht einfach sein?

Über das Leben einfach lachen?


Warum kann ich nicht einfach geh’ n?

Ganz gleich, ob rein, ganz gleich, ob raus.

Ich kann das einfach nicht versteh’ n.“



„Du fragst: Warum.

Hör auf, zu fragen!

Fang einfach an, nur ,ja´zu sagen“






zu S. 168: Neue Fassung von

Suche, will und frage!

Suche!

Doch such in dem, was du hier findest,

was du schon jetzt gefunden hast!

Ohne zu suchen findest du nicht Tiefe,

in dem, was hier, was jetzt schon da ist.

Suche die Tiefe, das heißt einfach:

Lass auf dich wirken, was geschieht,

bis voll entfaltet seine Wirkung ist!


Nimm keinen edlen Wein in deinen Mund -

aus gutem Jahrgang und aus viel gepriesener Lage -

und schluck ihn dann schnell runter in den Magen!

Halte ihn lang zwischen den Zähnen und dem Gaumen,

prüf’ ihn mit Sorgfalt, gründlich und genau!

Nur dann kannst du nicht nur erfahren,

dass er gut schmeckt, sondern auch wie.

Dann kennst du nicht nur seinen Namen.

Suche das Wie des Weins, nicht nur das Was!


Wende nicht vorschnell deinen Blick ab,

sobald der Stein, von irgendwo geworfen,

im stillen Wasserspiegel aufgeschlagen ist.

Du siehst ihn dann nicht in die Tiefe sinken.

Und auch die Wellenlinien siehst du nicht,

die sich geordnet mehr und mehr ausbreiten,

bis sie verklingen in den augenfernen Weiten.

Sieh in dem Kreis, dass er zum Punkt hin schrumpft,

dass er sich dehnt hin zur Unendlichkeit!


Will!

Doch will in dem, was un-gewollt schon da ist.

Denn wie es da ist, das hängt ab von dir.

Das, was jetzt da ist, wird nicht nur gefunden.

Es ist nicht einfach da – ganz ohne dich.

Wie es jetzt da ist, wird durch dich erfunden.

Du selbst bestimmst die Form, in der es ist.

Ob du es nebelhaft verschwommen oder klar siehst,

von dir, von deiner Haltung hängst es ab,

Wie wach du sein willst, ob, eindeutig und entschlossen,

du bist mit ganzem Herzen zugewandt,

ob du dich ganz in das Gegebene hineingibst,

ob du es wirklich willst mit rückhaltloser Kraft.

Frage!

Doch stell die Frage so, dass schon dein Fragen

Von Anfang an die Antwort in sich selbst enthält!

Die Gleichung – richtig aufgestellt –

Sie ist bereits die Lösung.

Die Frage – richtig gestellt – ist schon die Antwort.

Antworte zeitgleich mit der Frage,

sofort in dem Moment, in dem du fragst!

Und auch noch in der Antwort bleibe weiter fragend!

Denn wie in jeder Frage ja bereits die Antwort steckt,

so steckt in jeder Antwort schon die nächste Frage.


Frag’ immer wieder, immer weiter,

frag', bis die Antworten dir sagen:

Ab jetzt gibt es nichts mehr zu fragen.

Es gab auch nie etwas zu fragen.

Es gab nur immer schon die Antwort.



Kommentar:

Ein „wegloser Weg“, wo man schon auf dem Weg am Ziel ist, wo die Frage schon die Antwort enthält, ein Finden im Suchen und Antworten im Fragen, ist auch das Lösen eines Sudokus. Um das zu verdeutlichen, füge ich eine Passage aus meinem bisher noch nicht veröffentlichten Roman „Das Sabbatexperiment“ an:

„Hartmut sitzt mal wieder vor einem Sudoku-Blatt. Zahlen von 1 bis 9 sind scheinbar zufällig über 81 quadratische Felder verstreut, in schöner doppelt quadratischer Ordnung in 9 Blöcke von neun Zahlen eingeteilt. Hartmut weiß, dass jedes dieser Felder in etwa einer Stunde gefüllt sein wird, so aus-gefüllt, dass die Regel erfüllt ist: Jede Zahl darf nur ein mal vorkommen: in jedem Block, in jeder Zeile, in jeder Spalte. Hartmut weiß, dass das so sein wird. Er weiß es aus Erfahrung. Er hat schon viele Sudokus gelöst. Er weiß, dass es für jedes Sudoku, das in einer Zeitung oder einem Rätselheft steht, nur eine, deshalb ein-deutige Lösung gibt, die er nicht suchen muss, die er einfach finden kann. Bedingung dafür ist nur, dass er richtig vor-gehen, richtig vorwärts-gehen muss, von einer richtig gefundenen Zahl, die die Regel erfüllt, zur nächsten, Schritt für Schritt, ohne Eile, ohne springen zu wollen, ohne Abkürzungen nehmen zu wollen. Er weiß: Nur wenn er die Regel des richtigen Vor-Gehens einhält, die Regel des rechten Wegs, wird er die richtige Lösung finden, an das richtige Ziel kommen. Manchmal ist er zu unvorsichtig gewesen, er wollte zu schnell vorwärts, er wollte zu schnell ans Ziel, hat etwas übersehen, stellte dann fest, dass er irgendwo eine falsche Zahl eingetragen hat, dass er sich verirrt hat, manchmal erst, als er dem Ziel schon zum Greifen nah war, als nur noch wenige Felder nicht ausgefüllt waren. Dann musste er zurück, wieder von vorne anfangen, den ganzen Weg noch einmal gehen. Deshalb geht Hartmut nun kein Risiko mehr ein. Er geht immer nach derselben Systematik vor, wendet immer dieselbe Strategie an, sorgfältig, gründlich, jeden Schritt noch einmal überprüfend. So kann er sicher sein, dass er keinen Fehler macht, dass er sich mit jeder neu gefundenen Zahl der Lösung nähert, dass jede neue Zahl schon ein Teil dieser Lösung ist. Jede Zahl ist eine Frage, die schon die Antwort in sich enthält, und diese Antwort, die gefundene Zahl, enthält auch schon die nächste Frage, die auch schon wieder die Antwort in sich enthält, und so geht es Schritt für Schritt, von Zahl zur nächsten Zahl immer weiter. Und so ist das Lösen eines Sudokus ein Finden, kein Suchen, ist ein Finden von Anfang an, ein Finden von der ersten bis zur letzten Zahl, ein Finden, das nicht zwischendurch zum Suchen wird. Und was er am Sudoku liebt, ist diese Sicherheit des Findens, diese Ge-wissheit des Ankommens.

Und es ist ein Ankommen, das nicht erst am Schluss auftaucht. Es ist ein Ankommen von Anfang an, bei jeder neu gefundenen Zahl. Das Sudoku ist ein Weg, bei dem man bei jedem Schritt schon am Ziel ist. Und dabei ist jeder Schritt gleich wichtig, gleich viel wert. Es ist nicht befriedigender, die letzte Zahl eintragen zu können, als die erste. Das Weiter-Kommen, Fort-Schreiten, der Fort-schritt beim Sudoku ist ja nur das zunehmende Sichtbar-Werden einer perfekten Ordnung, die von Anfang an vorgegeben, schon da ist. Der Blick auf das vollständig gelöste Sudoku ist auch nicht beglückender als der Blick auf das erst halb gelöste. Das vollständig gelöste Sudoku wird sogar sofort langweilig, so dass Hartmut es meistens sofort in den Papierkorb wirft.“




Es gibt ein Fragen, um zu einer Antwort zu kommen.

Es gibt ein Suchen, um zu finden.


und


Es gibt ein Antworten, ohne zu fragen.

Es gibt ein Finden, ohne zu suchen.


und


Es gibt ein Suchen im Finden und ein Finden im Suchen.

Es gibt ein Fragen im Antworten und ein Antworten im Fragen.



Und es ist gut, dass es das alles gibt.

„Ja, ich will - ja, ich will - ja ich will,

dass es das alles gibt, was es gibt.“

(André Heller)

















zu "Kein Grund", S. 209:

Zeile "Tu das, was du auf keinen Fall lassen kannst"

Und

Du kannst alles tun.

Du kannst alles lassen.

Wähle nichts aus, schließe nichts aus,

schließ' alles ein in dein Tun und dein Lassen!

(PS: Leb sorglos im Tun und leb wachsam im Lassen!

Leb tuend im Lassen und lassend im Tun!)


Durch nichts, was du tust,

durch nichts, was du lässt,

verlässt du den WEG,

verlässt du den VATER.

Ganz gleich, was du tust,

ganz gleich, was du lässt,

du kanst dich auf IHN, deinen VATER, verlassen;

du wirst nicht von IHM, deinem VATER, verlassen.














zu „Wenn ich mir etwas vorstelle“, S. 222

Gott gibt in Goethes "Faust" den Engeln den Auftrag:
"Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
befestiget mit dauernden Gedanken!"


Das ist typisch westlich.

Nagarjuna könnte sagen.

"Und was zu fester Form (Substanz) erstarrt ist,

löst wieder auf zu flüchtiger Erscheinung!

(oder: Und was zu dauernder Substanz erstarrt ist,

löst wieder zu vergänglicher Erscheinung)


Das ist typisch östlich-buddhistisch.







Möglichkeit ist Wirklichkeit


Die Innenwelt ist nicht die Außenwelt.

Was innen ist, das ist nicht immer außen,

was du dir vorstellst, oft nicht äußere Wirklichkeit.

Das, was in dir geschieht, geschieht nicht immer draußen.


Was du dir vorstellst, ist nicht immer, was du siehst,

das, was du siehst, nicht so, wie du ’s dir vorstellst.

Was du dir vorstellst, kannst du oft nicht sehen,

weil in der Welt, die wir mit Augen sehen,

es einfach nirgendwo zu sehen ist.


Was innen ist, was außen, ist zu unterscheiden.

Du solltest wissen: Das stell’ ich mir vor, das sehe ich.

Es zu verwechseln, solltest du vermeiden.

Sonst ist nicht klar, wo etwas ist, für dich.




Doch musst du nicht, was innen ist, nach außen bringen.

Wenn du 's versuchst, wird es dir oft misslingen.

Du musst auch gar nicht jede innere Möglichkeit

in eine äußere Wirklichkeit verwandeln.

Sie haben beide ihren (eigenen) Wert für sich (in sich).

Was du dir vorstellst, zwingt dich nicht zum Handeln.

Doch wenn du handeln willst, dann lass dir dabei Zeit!


Lass dich von keinem Werk, das du begonnen, weitertreiben,

von keinem Ziel, von keiner Absicht hastig vorwärtsziehen!

Nach jedem Schritt, den du gemacht hast, kannst du stehen bleiben

und schauen, was hier, wo du bist, jetzt gut und schön ist.

Von jedem Ort, an dem du stehst, kannst du auch weiterschreiten,

wenn du genug gesehen und verstanden hast.

Dein Ziel, das wird auch dann dich sicher leiten,

wenn du den Wert, der auf dem Weg liegt, nicht verpasst.


Nicht alles, was dir einfällt, musst du tun.

Lass es in dir doch weiter in sich selber ruh’ n.

Was in dich einfällt, das ist ja schon da,

in dir vollkommen wirklich, dir vollkommen nah.

Du musst, was möglich ist, nicht wirklich machen,

kannst es auch gar nicht, weil 's schon wirklich ist.


Nicht immer ist, was möglich ist, auch nötig.

Und was nicht nötig ist, das musst du auch nicht machen.

Wer immer tut, was möglich ist,

der hat nichts mehr zu lachen.

Und alles, was nicht nötig ist, das musst du ja nicht tun.

Wer immer tut, was möglich ist,

lebt nur für später, nicht mehr nun.

Folgst du dem Zwang, alles zu tun, was möglich ist,

ist es dir nicht mehr möglich, auch mal aus zu ruh’ n.

Warum willst du denn alles fertig machen?

Das Fertig-Machen, das macht dich nur fertig.

Warum willst du denn alles besser machen?

Sieh, dass es gut genug ist! Das ist für dich besser.


Ein grauer Fleck auf weißer Wand ist doch nicht schrecklich.

Die Wand, sie bleibt doch weiß auch mit dem Fleck.

Warum kann ich der Wand den Fleck nicht lassen?

Ein Blatt, das auf dem Rasen liegt, muss doch nicht weg.

Ein falsch geschriebenes Wort kann doch falsch bleiben.

Wenn man den Text noch lesen kann, erfüllt er seinen Zweck.


Es stört doch nicht ein kleines Körnchen Staub.

Und auf dem Boden schadet nicht ein Bisschen Laub.

Nicht alles, was im Kühlschrank liegt,

das muss auch auf den Teller.

Wenn es nicht schimmelt und verfault,

dann lass es doch im Keller!

Das, was du nicht mehr brauchen wirst,

lass auf dem Speicher liegen.

Du musst es nicht wie Müll entsorgen,

wie einen Feind besiegen.


Ich muss doch nicht sofort das niederschreiben,

was mir gerade eingefallen ist.

Der Einfall kann auch ungeschrieben bleiben.

Nicht alles, was sich denkt in mir,

lohnt sich auch, zu behalten.

Nicht alles, was sich innen aufdrängt,

das muss ich auch gestalten.

Ich muss, was nebelhaft mir vorschwebt,

doch nicht in klare Worte fassen.

Ich kann es doch auch unbehandelt,

kann es auch ungestaltet lassen.


Warum willst du denn alle Türen schließen?

Lass das, was offen steht, doch einfach offen ste’ n!

Geschlossene Türen kannst du nicht durchschreiten.

Nur offene Türen lassen dich doch weiter geh’ n.



(Wenn du sie schließen willst:

Erwarte nicht, dass Türen selbst sich schließen!

Was du nicht schließt, bleibt einfach offen steh’ n.

Und hoffe nicht, dass andere sie schließen.

Schließe sie selbst, dann kannst du ruhig geh’ n.)


Lass' eine Frage doch als Frage steh' n!

Lass' eine Frage doch als Frage offen!

Du musst doch nicht zu einer Antwort weiter geh' n.

Lebe in dem, was ist, leb nicht im Warten, nicht im Hoffen!

Die Frage weist dich hin auf Möglichkeiten.

Freu dich, dass es sie gibt, sei froh, dass du sie hast.

Die Möglichkeiten scheinen sich zu streiten,

willst du entscheiden, welche stimmt und passt.



Wo Fragen sind, erscheint das Sein gespalten.

Das Ganze scheint entzweit im Kampf zu sein.

Doch bleibt die Einheit auch als zwei erhalten.

Der Widerspruch in ihr ist ja nur Schein.

Den Zwiespalt in ihr schafft sich erst das Denken.

In Eintracht mit sich selber ruht das Sein.



Das Sein, es ist vollkommen, auch schon unvollkommen,

bleibt auch vollkommen, wenn es unvollkommen wird.

Es ist einfach vollkommen unvollkommen.

Du kannst das Sein gar nicht vollkommen machen.

Du kannst nur einseh’ n, dass du gar nicht nötig bist.

Was ist, das braucht dich nicht, um scheinbar das zu werden,

was es auch ohne dich für alle Zeiten ist.

Es braucht dich nicht, um voll und ganz zu sein.




Kommentar:

Was du dir vorstellst, ist nicht vor das gestellt,

was du mit Augen siehst, mit Ohren hörst.

Die Vor-Stellung, sie steht nicht vor der Wahrnehmung.

Die Vorstellung steht in der Wahrnehmung,

ist eine Wahrnehmung in deiner Innenwelt.


Die Vor-Stellung, sie steht nicht vor der Erfahrung.

Die Vorstellung steht in der Erfahrung,

ist die Erfahrung eines inneren Gescheh' ns.


Die Vor-Stellung, sie steht nicht vor der Wirklichkeit.

Die Vorstellung ist selber eine Wirklichkeit.


Die Vor-Stellung ist keine Vor-Bereitung,

für eine andere Erfahrung, eine andere Wirklichkeit.

Sie steht allein, steht in sich selbst, steht für sich selbst.

Sei für die Vorstellung bereit,

bereit, ihr ihren vollen Wert zu geben,

bereit, in ihr ganzherzig zu leben!





Die Vorstellung ist in der Innenwelt schon eine Wirklichkeit.

Doch in der Außenwelt ist sie nur eine Möglichkeit.

Dort bleibt sie vielleicht auch nur eine Möglichkeit.

Dort wird sie vielleicht nie zu einer Wirklichkeit.

Mache dir deshalb keinen Kopf um ungelegte Eier,

die vielleicht nie und nirgendwo ne Henne legen wird!







Der folgende Songtext von André Heller ist ein - natürlich einseitig parteiliches - Plädoyer dafür, in inneren Vorstellungen statt in äußeren Wahrnehmungen (und Handlungen) zu leben:


Die wahren Abenteuer sind im Kopf

Ich wär ein schlechter Kapitän,

die Meridiane sind mein Handwerk nicht.

Und trommelte auch der Regen

in den Tropen Neuguineas die Mangoblätter wund,
es heißt, am Ende aller Reisen

weiß man doch wiederum die Erde rund.

Und Abendstern und Kleiner Bär
sind Feuer in der schwarzen Wiese über meinem Haus.



Die wahren Abenteuer sind im Kopf,
und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.
Die wahren Abenteuer sind im Kopf,
und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.



Der Maskenhändler mit der Blutmaschine,
der Detektiv der kühlen Worte,
das Saltorückwärts-Kind mit Bakelitperücke,
die Schmerzensdienerin des Hokusei,


sie alle sind in meinem Kopf,

und sind sie nicht in meinem Kopf, dann sind sie nirgendwo.
Sie alle sind in meinem Kopf,

und sind sie nicht in meinem Kopf, dann sind sie nirgendwo.


Im Jahr der Insekten, dem Dreimonatsjahr,
gleitet von Ferne in der Nähe,

bizarre, gefräßige Architektur

aus Stachel und Zange, Schere und Lärm

und stielt die Schatten aus den Zweigen

und dringt in den Traum des Soldaten.

Und die kleinen Gebärden der Hasardeure

werden wie Segel eingeholt.


Die wahren Abenteuer sind im Kopf, in meinem Kopf,
und sind sie nicht in meinem Kopf, dann sind sie nirgendwo.


Die wahren Abenteuer sind im Kopf, in deinem Kopf,
und sind sie nicht in deinem Kopf, dann suche sie.
Die wahren Abenteuer sind im Kopf, in euren Köpfen,
und sind sie nicht in euren Köpfen, dann suchet sie.



Die Wirklichkeit, die Wirklichkeit

trägt wirklich ein Forellenkleid

und dreht sich stumm, und dreht sich stumm

nach anderen Wirklichkeiten um.






Es gibt natürlich gute Gründe, Inneres nach außen zu bringen.

Oft sind Vorstellungen bedrückend und belastend.

Dann ist es erleichternd und entlastend, sie in Erfahrungen in der Außenwelt zu verwandeln.

Dann gilt der Leitspruch:

„Verlier den Kopf und komm zu Sinnen!“ (Fritz Perls)



Es gibt Einiges in der Innenwelt,

was nicht nach innen gehört,

was nach außen gehört:


Wenn du die Frage hast,

„was denkt, was fühlt der Andere,

was denkt der Andere über mich?“


dann frage nicht dich selbst!

Du weißt es nicht.

Du kannst es gar nicht wissen;

kannst es nur glauben, nur ver-muten.


Frag’ doch den Anderen!

Er weiß es ja.

Nur er kann es doch wissen.

Habe den Mut, es ihm zu glauben!





PS:

Du musst nicht alles tun, was möglich ist.

Doch was du tun musst, tu so schnell wie möglich!

Das, was du vor dir herschiebst,

siehst du immer vor dir, das liegt immer vor dir.

Und was du liegen lässt, geht nicht von selber weg.

Nur was du heute angehst, das liegt morgen hinter dir.

Du musst dich umdreh‘ n, um es noch zu sehen.

Wenn du 's nicht sehen willst, musst du es nicht.

















zu "Was ist, was war, was sein wird", S. 224

Heute

Heute ist noch gestern.

Gestern bleibt auch heute.

Heute vergeht gestern.
Gestern bleibt bis heute.


Heute ist schon morgen.

Morgen entsteht heute.
Heute bleibt auch morgen.

Gestern ist schon morgen.

Gestern bleibt bis morgen.


Heute - ist Tor von gestern zu morgen.

Heute - ist Grenzland von gestern und morgen.




Und.




Heute ist nicht gestern.

Gestern ist nicht mehr.

Heute ist nicht morgen.

Morgen ist noch nicht.

Heute ist heute.

Nichts sonst.




zu S. 229, Zeile "Sei dankbar und neugierig"

Übung: Neugier und Dankbarkeit


Nimm dir morgens mindestens 5 Minuten Zeit (wenn du mehr Zeit hast, eben länger), etwas zu finden, worauf du neugierig bist! Beschränke dich dabei nicht auf den heutigen Tag1 sonst fällt dir vielleicht nicht genug ein.

Und achte dabei darauf, dass du nicht in eine Falle läufst: Stelle dir nicht die Frage, ob du das, was du dir jetzt vorstellst, später wirklich machst, ob du es wirklich machst!

Es ist schon wirklich – in deinem Kopf – wirklich genug.

Frage dich nicht, ob du das, was du machen kannst, machst, was du davon machst, was du als erstes machst, wie du es am besten machst!

Freue dich darüber, dass du es machen kannst!

Du kannst es machen. Das ist eine Wirklichkeit – jetzt.

Das ist eine Antwort, die du jetzt erfährst.

Mache aus einer Antwort keine Frage!

Mach aus einer Lösung kein Problem!

Das, worauf du neugierig bist, kannst du tun, musst du nicht tun.

Es sind Möglichkeiten, die du dir jetzt vorstellst, weil du dadurch die Wirklichkeit des Jetzt jetzt mit Lebensqualität füllst.


Nimm dir abends auch mindestens 5 Minuten Zeit (wenn du willst, auch länger), etwas zu finden, wofür du dankbar bist, worüber du dich freust, dass es da war oder da ist!

Beschränke dich auch dabei nicht auf den heutigen Tag!





zu "Ankommen - immer und nie", S. 235


Komm' an!



Der Geist bewegt sich nicht.

Er kommt nur immer an.




Komm' deshalb an!


Komm' an in dem, was einzig ist!

Komm an in dem, was einig ist!

Komm' an in allem, was jetzt ist!!

Komm an in dem, was alles ist!

Komm' an zu jeder Zeit!

Komm' an für alle Zeit!

Komm' an, wo du zu Hause bist!

Komm an, wo du schon immer warst zu Haus'!



Und



Der Geist kommt niemals an.

Der Geist geht immer weiter.


Deshalb:

Komm an, doch halt' den Geist nicht an!

Geh' auch im Ankommen noch weiter -

werd' immer größer, immer kleiner,

immer tiefer, immer breiter!




Halte nicht an!


Halt das, was ist, nicht fest!

Lass' das, was ist, doch los!

Mach das, was ist, unendlich groß!

Mach’ es unendlich breit und weit,

Lass’ es sich dehnen zur Unendlichkeit!

Mache es auch unendlich klein!

Sperr’ es doch nicht in Grenzen ein!

Lass es doch das sein, was es ist,

so, wie es ist, unendlich sein!


Lass das, was ist, doch erst im Himmel enden!

Lass dann den Himmel sich zurück zur Erde wenden!



Schließ’ etwas ab, ohne es abzuschließen!

Lass es doch ohne Grenzen weiterfließen!











zu "Alles Mögliche, wirklich geschrieben", S. 238



Reibung

bringt manchmal Wärme,

manchmal nur Verschleiß.


Manchmal muss man ins Wasser gestoßen werden,

um ein sinkendes Schiff rechtzeitig zu verlassen.


Immer steig ich in den gleichen Fluss.

Und in das gleiche Wasser steig ich niemals.


Sage nicht: "Augen zu und durch!"

Sage: "Augen auf, mitten rein und durch!"

(Denn: Die Lösung liegt im Kern des Problems.)


Schweb’ nicht über dem Boden!

Steck nicht im Boden fest!

Geh auf dem Boden!


Stürze dich nicht ins Leben!

Lass' das Leben sich in dich stürzen!



Nichts war.

Was war, ist nur ein Bild -

im Jetzt.


Nimm etwas von Anderen nicht persönlich!

Und sei zu Anderen nicht un-persönlich!


Sei für die Engel ein Bruder!

Sei für die Brüder ein Engel!


Warte nicht auf die Erleuchtung!

Lebe schon vor der Erleuchtung

wie nach der Erleuchtung!


Widersprich mir nicht!

Warte einfach!

Irgendwann tu ich es selbst.


Nur, was wir wichtiger nehmen als uns,

was wir durch uns wichtiger machen als uns,

wird von uns als wichtig bleiben.


Es ist gut,

schnell zu sehen,

dass du einen Fehler machst.

Du kannst dann schneller

einen besseren machen

(frei nach Christopher Moore, Die Bibel nach Biff)



Sei kein Wolf im Schafspelz!

Sei kein Schaf im Wolfspelz!

Sei manchmal Schaf im Schafspelz!

Sei manchmal Wolf im Wolfspelz!

Sei einfach Wolf und Schaf!


In früheren Jahren glaubte ich an etwas.

Jetzt glaub' ich nicht an nichts.

Ich glaub' an alles -

(doch nicht alles).


Die Wahrheit steht immer

zwischen den Zeilen.

Sie kann durch jede Zeile

nur verfehlt werden.












zu "Einladung, noch mal zu lesen", S.258


Paradoxes aus "Hartmuts Spruchbüchlein"